Prometheus‘ Erbe / von Monika Zöhrer, Klaus Seewald & Eva Wallensteiner

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ZUM STÜCK

… stell dir vor du bist Prometheus, angekettet an einen Felsen, irgendwo im Mittleren Osten ab und an fliegen Helikopter vorbei und du hörst Explosionen …

Assoziativ verwebte Bilder zwischen Geburt, Seinsfragen und Tod erzählen weit mehr als die Geschichte des Mythos aus heutiger Sicht. Die Inszenierung bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Tanz und Theater.
 Es ist die Suche nach dem Platz des Einzelnen im Heute. PROMETHEUS‘ ERBE entführt in eine Welt, in der Aischylos, Beckett, Frisch und Huxley zu Wort kommen und in der ein Hauch von Science Fiction weht.

Das Stück stellt Fragen nach Verantwortung des Einzelnen, Kontrolle durch höhere Mächte, Hilflosigkeit und Suche nach der Befreiung und betrachtet die Themen trotz der Ernsthaftigkeit der Texte mit einem Augenzwinkern.

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PRESSESTIMMEN

SCHÖNE BEDROHLICHE WELT
„Prometheus‘ Erbe“ untersucht Fragen des Seins.

GRAZ. Selten fasziniert Plastik so wie in der Uraufführung „Prometheus‘ Erbe“ vom Theater Feuerblau: als raschelnder Kokon, majestätische Umhüllung und wehende Wüstendünen.
Gekonnt reizt Klaus Seewald den Kunststoff zu einem assoziativen, von Gerhard Nierhaus musikalisch koloriertem Bild des Menschen zwischen Geburt, Seinsfragen und Tod aus (Bühne: Lisa Horvath). Auf individuelle Lebensbesinnung in einer bedrohten Welt (mit eingesprochenen Texten von Aischylos, Max Frisch, Samuel Beckett und Aldous Huxley) zielt Regisseurin Monika Zöhrer. Denn der Feuerbringer löste mehr Fluch als Segen aus. Auch die im Theater am Lend mit Video übertragene, an Ridley Scotts Science-Fiction-Film „Prometheus – Dunkle Zeiten“ erinnernde Playmobil-Menschenfabrik ist nur eine Frage der Zeit.

Kleine Zeitung, ELISABETH WILLGRUBER-SPITZ

 

PROMETHEUS‘ ERBE SUCHT SEINEN PLATZ
Mit dem antiken Mythos rund um den Feuerbringer und Kulturstifter hat sich das Theater Feuerblau in seiner aktuellen Produktion „Prometheus‘ Erbe“, das am Donnerstag im Grazer Theater am Lend Premiere hatte, auseinandergesetzt. Doch Darsteller Klaus Seewald erzählt in der Regie von Monika Zöhrer weit mehr als eine alte Geschichte aus heutiger Sicht. Es ist eine performative Suche nach dem Platz des Einzelnen im Heute.

Kronen Zeitung

 

WENN AM LETZTEN TAG DAS LICHT AUSGEHT, KANN HOFFENTLICH JEDER AUF SEINEN NACHBARN ZÄHLEN …
Völlige Dunkelheit. Klangkulisse. Plötzlich beginnt sich auf der Bühne etwas zu regen. Erst klein und zart, dann immer heftiger. Man erkennt einen menschlichen Körper, umgeben von einer Plastikhülle. Sofort kommt einem ein Fötus im schützenden Mutterleib in den Sinn. Der Körper versucht sich zu befreien, immer energischer. Letzten Endes schafft er es. Doch die Welt um ihn erschreckt ihn. Sehr zaghaft und ängstlich wagt er erste Blicke, erste unbeholfene Schritte, bis er sich aufrichten kann und diese Welt betrachtet.

Prometheus gilt in der griechischen Mythologie als Freund der Menschheit und Kulturstifter, er formte die Menschen aus Lehm, machte sie zu dem, was sie sind und brachte ihnen das Feuer. Zeus bestrafte ihn dafür, indem er ihn an einen Felsen im Kaukasus kettete. Jeden Tag kommt ein Adler und frisst seine Leber, die sich zu seiner Qual immer wieder erneuert – ein Leid, das kein Ende findet und bis in alle Ewigkeit andauern soll. Prometheus ist also auch heute noch irgendwo im Mittleren Osten angekettet, beobachtet an ihm vorbei gleitende Flugzeuge und lässt sich vom Adler berichten, was sich in der Welt der Menschen so tut.

Prometheus´ Erbe (Monika Zöhrer, Klaus Seewald, Eva Wallensteiner) ist ein Schauspiel der besonderen Art, es ist nicht nur Theater, es ist auch Tanz und Performance. Was mit nur etwas Plastikfolie, dezenter Lichttechnik und Klangkulisse so alles möglich ist, vermag man sich zuvor erst gar nicht vorzustellen. Gemeinsam mit dem Bewegungs- und Ausdruckstalent Klaus Seewald ergeben sich so beeindruckende und teils auch sehr bizarre sowie verstörende Bilder.

Im Stück geht es nicht nur um die heutige Sicht auf den Prometheus-Mythos, es stellt v.a. eine radikale Art des Kulturpessimismus dar. Prometheus brachte uns das Feuer, doch was haben wir daraus gemacht? Das Publikum findet sich plötzlich selbst auf der Bühne wieder, indem es eine Führung durch die Prometho-Cooperation erhält – absolut entzückend und mit viel Charme und Humor wird diese Firma durch Lego-Figuren dargestellt -, ein Betrieb, der Menschen im Glas erzeugt. Wir werden nicht mehr geboren, sondern „entkorkt“, die soziale Stellung wird bereits vorab bestimmt und mitgeliefert. Wie das gehen soll? Die unteren Kasten landen in der Zentrifuge und erhalten einfach etwas weniger Sauerstoff. Klingt nach weit entfernter, pervertierter Science Fiction-Story … Aber wie weit entfernt ist diese Zukunft tatsächlich noch?

Das Theater Feuerblau beschäftigt sich in seiner aktuellen Produktion Prometheus´ Erbe mit grundlegenden Fragen der Menschheit, wie Geburt und Tod, gibt es ein Jenseits – glaube ICH an ein Jenseits? Gibt es noch Hoffnung oder haben wir sie bereits aufgebraucht? Versuchen wir überhaupt noch als Individuen aufzutreten und für Ideale einzustehen, oder lassen wir uns nur noch vom Strom treiben, um darin langsam unterzugehen?

Klaus Seewalds unglaubliche Körperbeherrschung und beeindruckendes mimisches Spiel scheinen grenzenlos zu sein, man könnte ihm wohl stundenlang zusehen. So vergeht die Zeit wie im Flug, und Prometheus´ Erbe ist schneller vorbei als man es sich denkt und erwartet, jedoch bleibt es noch lange im Kopf und wirkt nach / regt noch lange zum Nachdenken an.
Kulturreferat der ÖH Uni Graz, SILVIA MADL

TEAM

Regie: Monika Zöhrer
Schauspiel: Klaus Seewald
Dramaturgie: Eva Wallensteiner
Musik: Gerhard Nierhaus
Bühne: Lisa Horvath
Kostüme: Barbara Häusl
Licht Design: Christina Weber
Stimme: Monika Schmidt
Tontechnik: Thomas Bergner
Produktion: Theater Feuerblau